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Vom 16. auf den 17. Juni 2000
fand unser erster 24-Stunden-Lehrgang ("Gasshuku") statt. Über Nacht
teilnehmen konnten alle Mitglieder außer den Kindern. |
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"Gasshuku" setzt
sich aus dem Verb "gassuru", was soviel bedeutet wie "zusammenkommen",
und dem Substantiv "shuku", mit der Bedeutung "Unterkunft",
zusammen. Dies sagt aus, dass nicht nur das (teilweise sehr anstrengende) Training
auf dem Lehrgang im Vordergrund steht, sondern das gemeinsame Streben, der
Karate-Kunst näher zu kommen, und wenn möglich auch eine gemeinsame Übernachtung. |
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GASSHUKU |
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Die Karateschüler lernen schon
im normalen klassisch-traditionellen Unterricht durch verschiedenste Lehrinhalte
mit ihren Gefühlen umzugehen. Im Gasshuku wird dies durch Extremsituationen
verstärkt: Sie werden - ihren Möglichkeiten entsprechend - über mehrere Stunden
gefordert und bewusst immer wieder den körperlichen und geistigen Grenzen näher
gebracht: Erschöpfung, Müdigkeit und Frustration setzen ständige Selbstüberwindung
voraus, wenn die Teilnehmer nicht "scheitern" wollen. Die Schüler
sind dabei nicht alleine, denn der Lehrer, der sie die ganze Zeit begleitet,
spornt sie immer wieder an, wodurch sie sich immer wieder auf's neue überwinden
lernen. Gelingt dies, machen die Schüler bedeutende Fortschritte: Sie lernen
gelassener und immer weniger Spielball ihrer Gefühle zu werden. |
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Die
"Rund-um-die-Uhr"-TeilnehmerInnen des Lehrgangs... |

....hier
ergänzt durch die Kinder am Nachmittag des 17. Juni. |
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Der Lehrgang begann am Abend
des 16. Juni 2000 und sollte am Abend des 17. enden. Am Nachmittag des 17.
sollte die Gruppe der Teilnehmer durch interessierte Kinder aus den Kindergruppen
erweitert werden. Über die eigentlichen Inhalte ließ uns Lehrer Harald Wego
bis zum Beginn des Lehrgangs im Unklaren. Lediglich, dass der Lehrgang einen
"mittleren Schwierigkeitsgrad" habe und dass die fortgeschrittenen
Schüler ohne Schlaf auskommen sollten war bekannt, zudem waren Ess- und Trinkrationen
(zunächst) begrenzt. Kurz vor Lehrgangsbeginn hängte Harald dann einen Zeitplan
aus, der die Lehrgangsinhalte bekannt gab: Er war gefüllt mit heftigen Anforderungen
an die Teilnehmer und veranlasste einige - mit Niedergeschlagenheit im Gesicht
- zu äußern: "Das schaffe ich nie"! Es stellte sich heraus, dass
dieser Plan so falsch war wie so einiges andere, das Harald im Bezug auf den
Lehrgang im Vorfeld verlautbaren ließ. Er gehörte schlicht zu einer Verunsicherungstaktik,
welche die Schüler dazu bringen sollte, die Dinge einfach mal auf sich zukommen
zu lassen.
Was dann kam waren - nach dem Aufwärmen - Übungen
mit unterschiedlich forderndem Schwierigkeitsgrad. Die schwerste Übung war
sicherlich über den ganzen Lehrgangszeitraum einigermaßen konzentriert und
wach zu bleiben. Nachfolgend eine grobe Schilderung des Lehrgangverlaufes:
Zunächst stellten sich alle Schüler in der
Halle auf und es wurden im Wechsel Doppelfauststöße (morote-tsuki) und Doppel-Unterarmblocks
(morote-uchi-uke) auf das Zählkommando jeweils eines Schülers ausgeführt (die
Fortgeschrittenen mit Steinen in den Händen). Niemand hatte wohl Anfangs gedacht,
dass sich die Wiederholungszahl schließlich in den Tausenderbereichen bewegen
und die Übung über 3,5 Stunden gehen würde. Wer es schaffte, die Frage "Wann
hört das endlich auf?" aus deinem Geist zu verbannen, der konnte - zumindest
phasenweise - in einen meditativen Zustand gelangen und sich im Wir-Gefühl
baden, denn das ganze Dojo war nach einer gewissen Zeit voller Energie. |
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Stundenlang
die gleiche Übung, das zehrt! |

Meditation
oder Schlaf im Stehen, wer weiß... |
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Nach dieser (und den folgenden)
Strapazen gewährte Harald immer wieder Pausen und hob auch die Begrenzung der
Flüssigkeitszufuhr auf, schließlich handelte es sich bei den meisten um den
ersten Lehrgang dieser Art und er wollte keinerlei gesundheitliches Risiko
eingehen. |
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Noch
lacht Martin (das ändert sich im MorgenGRAUEN)... |

Weiter
geht's! |
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Überhaupt sollte der Lehrgang
den Schülern neben der Übung der Selbstüberwindung besonders auch die meditativen
Aspekte des Karate-Do näher bringen. Besonders angenehm geschah dies durch
eine klassische Meditationsübung mit Musik, die in der Nacht stattfand. |
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Klassische
Sitzmeditation bei Kerzenschein und Musik. |

Meditation
in der Bewegung: Freie Kata. |
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Es folgten weitere Übungen:
100 Kata wollten z. B. absolviert werden (während die weniger fortgeschrittenen
Schüler z. T. friedlich schliefen) bis schließlich am frühen Morgen auch Selbstüberwindung
pur auf dem Programm stand: Wer wollte "durfte" an einer halben Stunde
Seiken-Stehen (Liegestütz auf den Fingerknöcheln) teilnehmen. Haken an der
Sache: Wer damit anfing musste die Übung durchziehen. Ziel war natürlich während
der Übung nicht abzusetzen. Wer dies dennoch tat wurde von Harald (unter anderem
unter Zuhilfenahme eines Bambusstocks) zum Weitermachen motiviert. |
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Während
die einen (fast alle) kämpften... |

...nahmen's
andere mit stoischer Gelassenheit. |
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Inzwischen war die Nacht vergangen,
und nach u. a. Fußtritt- und Sandsackübungen rückte die Stunde näher, wo die
"Rund-um-die-Uhr"-Gruppe von den Kindern ergänzt werden sollte. Wegen
der großen Zahl an Teilnehmern wurde hierzu in die Turnhalle der Gesamtschule
in Paffrath gewechselt, nachdem vorher das Dojo gereinigt worden war. |
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Sandsacktraining,
noch im Dojo. |
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Die Gruppe der Jugendlichen
und Erwachsenen übte sich noch in Kata, im Stock- und Freikampf und bereitete
schließlich noch eine kleine Vorführung für die Zuschauer vor. |
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Harald
begrüßt die Gruppe in der Turnhalle, Paffrather Str. |

Konzentrierte
Partnerübung, auch noch nach vielen Stunden. |
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Stockkampfvorführung. |

Es
rappelt im Karton! :-) |
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Am Nachmittag strömten schließlich
eine Menge Kinder der Karate-Gemeinschaft in die Halle und nahm teil an ausgelassenen
Bewegungsspielen, gemeinsam mit den Jugendlichen und Erwachsenen. Für die Kinder
sollte nur eines auf dem Programm stehen: Spaß! Und den hatten sie auch. |
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Jede
Menge Bewegungsspiele... |

...unter
anderem auch Gleichgewichtsschulung. |
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Der Nachmittag mit den Kindern
verging wie im Flug. Abschließend fand noch die vorher (kurz) einstudierte
Vorführung statt, bei deren Durchführung so manchem Teilnehmer nun aber doch
etwas Konzentrationsschwäche anzumerken war. Verständlich, denn nach fast 24
Stunden war der/die eine oder andere doch etwas "platt". |
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Hier
geht nicht mehr viel... |

...hier
scheinbar gar nichts mehr! |
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Am Ende des langen Tages wurde
Ordnung geschaffen und die Übungsgeräte verstaut. Die einen beendeten den Tag
im Schwimmbad (denn es war ein sonniger Tag gewesen), die anderen eilten nach
Hause: Es fand ein Deutschlandspiel in der zu diesem Zeitpunkt stattfindenden
EM statt!
Allen, die am Gasshuku teilgenommen haben, wird er wohl
auf lange Zeit im Gedächtnis bleiben: Als Weg-Erfahrung, als gemeinsames Erleben
oder einfach nur als Stolz auf das eigene Durchhaltevermögen. |
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