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40-Stunden-Lehrgang
2. - 4.Oktober 2009
von Vanessa mit Unterstützung von Jessica und Alex
Am Freitag
kam ich wie üblich zum Training, doch an diesem Abend war ich sehr aufgeregt.
Warum? An diesem Wochenende fand der 40-Stunden-Lehrgang statt und fast niemand
wusste etwas über den genauen Inhalt.
Das
normale Freitagstraining begann dann aber doch nicht so normal. Wir wiederholten
einen Großteil der Stunde immer weiter zwei die gleichen Techniken. Diese Übung
war sehr interessant. Dann sind wir raus ins Freie gegangen und haben freie
Kata und Partnerübungen im Feuerschein eines Lagerfeuers gemacht.
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Training
in der großen Gruppe um eine Feuerschale |

Mal
eine etwas andere Atmosphäre als im Dojo selbst zu üben |
Um 20.45
Uhr endete das "normale" Freitagstraining und wir hatten eine Stunde
Pause mit der Möglichkeit, noch etwas zu essen.
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Pause
nach dem Training... |

...und
die Möglichkeit etwas Obst zu essen |
Anschließend
ging das Training weiter. Frank zeigte uns eine Technikabfolge, die wir immer
wieder wiederholen sollten. Nach einer Zeit ging er mit der Hälfte der Gruppe
in den unteren Übungsraum und ich und der Rest des Trupps blieben im großen
Dojo. Nach einer Zeit holte Frank auch uns runter und wir sollten uns still
und leise zu den anderen setzten. Es war eine mysteriöse Stimmung. Wir sollten
uns ganz darauf konzentrieren, was wir fühlten. Kurz darauf gingen alle wieder
hoch und "meine" Gruppe war dran, als erste runter zu gehen. Frank
erklärte uns, wir sollen uns vorstellen zu fliegen und uns ganz auf diesen
Gedanken konzentrieren, während die anderen oben weiter Techniken machten.
Ich bekam wirklich das Gefühl zu fliegen. Auch die andere Gruppe wurde zu uns
geholt und sollte sich zu uns setzen und geistig Kontakt mit uns aufnehmen.
Anschließend sprachen wir über das was wir gespürt hatten. Tatsächlich gab
es Leute aus der anderen Gruppe, die das Gefühl von Leichtigkeit und des Fliegens
bei uns gefühlt hatten ohne zu wissen, worauf wir meditierten.
Nach
dem Training zogen wir uns um und gingen in bequemer Kleidung zur Meditation,
was nicht nur für mich, sondern auch für viele andere etwas ganz Neues war.
Wir machten eine geführte Meditation aus dem Diamantweg-Buddhismus.
Um 00.00 Uhr war dann Nachtruhe und wenn nicht irgendjemand geschnarcht hätte,
wäre es tatsächlich ruhig gewesen…
Um 6.00
Uhr mussten wir aufstehen und nach etwa einer halben Stunde Zeit zum Aufräumen
und Wachwerden schritten wir zum morgendlichen Yoga, welches unter der Leitung
von Katja stand. Häufig erinnerten die Übungen an Dehnübungen, welche wir so
oft im normalen Aufwärmtraining machten.
Es folgte wieder die Meditation vom Vorabend, worauf ich mich besonders freute,
da man in diesen Minuten noch mal Kraft tanken konnte.
Schnell zogen sich alle ihre Anzüge für das folgende Taining an. In der Umkleide
fiel mir auf, dass ich nicht die Einzige war, die noch müde war aber trotzdem
vor Energie platzte.
Im Training machten wir etwa zehn Mal die erste Kata mit bewusstem Ein- und
Ausatmen bei verändertem Atemrhythmus. Danach machten wir auch andere Kata
sehr bewusst und in unterschiedlichem Tempo. Am Ende sollten wir uns alle hinsetzen
und es wurden immer nur einige aufgerufen, um Kata vor zu machen. Dies war
die letzte Übung des morgendlichen Trainings.
Um 9.00
Uhr gab es dann endlich Frühstück. Diesem folgte das Samu, "konzentriertes
Arbeiten", was wir völlig schweigend ausführen sollten. Jessi und ich
zogen mit Gesa den Baumstämmen für den Trainingsgarten das Fell über die Ohren
(wir entfernten die Rinde), wärend Alex mit anderen im Trainingsgarten schaufelte.
Wieder andere strichen die Umkleiden oder übernahmen sonstige Instandhaltungsarbeiten.
Ein kleiner Teil der Gruppe hatte als Arbeit due Zubereitung des Mittagessens.
Nach etwa drei Stunden war die Übung beendet und jeder räumte noch seine Sachen
weg und begab sich zu Tisch.
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Vanessa
schabt am Stamm... |

...ebenso
wie Jessica |
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Petra
hat den Klassiker unter den Samu-Arbeiten: Den Hof kehren. |

Michael,
Ben und Ingrid halten das Dojo in Stand |
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Dennis,
Lukas, die Davids und andere werkeln im zukünftigen Trainingsgarten |

Das
war wie eine zusätzliche Trainingseinheit: Ganz schön anstrengend! |
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Thorsten
und Richard streichen die Herrenumkleide |

...und
Katja, Saskia und Caro die der Damen. Markus als gelernter Maler hilft
überall aus. |
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Marcel
und Janine bereiten das Mittagessen zu, ... |

...welches
Gregor dann zu einer leckeren Mahlzeit kocht. Für den einen oder anderen
etwas zu scharf. :) |
Auch
das Mittagessen, welches nicht nur ich etwas scharf fand, war mit einer Übung
verbunden. Wir lauschten den sogenannten "Fünf Betrachtungen" (Gokan
no ge), die einen besonderen Blick auf unsere Nahrungsmittel eröffnen sollen.
Das Essen war anschließend bewusst und konzentriert einzunehmen, geleitet von
den fünf Leitsätzen. Das ist gar nicht so einfach wie es sich anhört.
Es folgte
eine 2 ½-stündige Trainingseinheit, auf die ich mich besonders freute. Doch
zuvor sprachen wir noch über den Lehrgang. Nach der Beantwortung von Fragen
las Frank noch einen Text vor, der die geistigen Aspekte der Karate-Übung behandelte.

Manchmal ging es auch
theoretisch zu
Dann
begann das Training. Wir wiederholten einige Kata und machten viele verschiedene
Partnerübungen. Ich merkte wie es zunehmend schwerer wurde mich zu konzentrieren,
nicht zuletzt, weil ich mir eine leichte Verletztung am Fuß zugezogen hatte.
Doch ich war nicht die Einzige mit Schmerzen. Dennis brach sich sogar einen
Zeh, als er unglücklich mit seinem Partener zusammenstieß. Nach den Partnerübungen
machten wir noch kurze, stark reglementierte Freikämpfe und schließlich noch
ein paar Überwindungsübungen, die uns an die Grenze unserer Leistungsfähigkeit
brachten.
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Hier
ein paar Eindrücke vom Training: Anders im Chudan Kamae... |

...und
David konzentriert mit Tate Shuto Uchi |
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Gregor
und Frank demonstrieren eine
Bodenkampf-Übung... |

...die
Sara und Janine und die anderen dann umsetzen. |
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Selbstverteidigungsübungen:
Thorstenen greift David in die Haare... |

...und
die kleine Janine kämpft gegen den 2-Meter-Ben. |
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Jessica
verpasst Felix eine unter das Kinn... |

...und
und Ingrid der Sara die Finger in die Augen - jedenfalls theoretisch. |
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Frank
demonstriert einen Armhebel an Gertrud. |

Und
wieder David (Jessica) gegen Goliath (Ben)! |
Nach
dem anstrengenden Training folgte das Abendessen und eine weitere halbstündige
Übung, die "Nichts-tun" beinhaltete. In dieser Zeit sollte sich keiner
mit irgendwelchen Dingen außer sich selbst beschäftigen. Wie die Schüler das
taten blieb ihnen überlassen. Manche gingen spazieren, andere setzten sich
irgendwo hin und dachten nach. Gesprochen werden durfte nicht. Also setzte
ich mich auf die Treppe zu den Umkleiden und dachte nach. So einfach es sich
auch anhört, es ist ziemlich schwer "einfach" nichts zu tun.
Anschließend
stand wieder ein Karate-Training an: Wir zogen uns um und traten wieder ins
Dojo. Nachdem wir angegrüßt hatten sollten wir uns in einen Kreis stellen und
Anders wurde in die Mitte gerufen. Er sollte die Augen schließen und dann griff
Frank ihn an. Anders wich reflexartig zurück. Damit zeigte Frank uns, das man
Angriffe spüren konnte, auch mit geschlossenen Augen.
Nach dieser Demonstration suchten wir uns einen Partner und richteten uns in
der Mitte aus. Einer von beiden sollte zur Wand gehen und die Augen schließen.
Der andere näherte sich ihm langsam und griff mit Kuma-Te ("Bärentatze")
zum Rücken an. Der andere sollte dies erspüren und sich im richtigen Moment
umdrehen. Wenn man sich komplett auf seinen Körper verließ, war es nicht schwer
das zu spüren.
Danach holte sich einer der Partner ein Shinai (Bambusschwert) und der andere
setzte sich mit dem Rücken zu ihm in den Schneidersitz, die Augen geschlossen.
Jetzt griff der mit dem Shinai langsam zum Kopf an und der andere musste intuitiv
Age-Uke (hoher Block) abwehren. Wer nicht früh genug abwehrte durfte leicht
aber doch ein bißchen schmerzhaft am Kopf berührt werden.
Nach dieser Übung bildeten wir zwei Kreise. Zwei aus dem Kreis gingen in die
Mitte und bekamen Augenbinden. Blind wurden sie mehrmals im Kreis gedreht und
mussten dann versuchen den anderen im Kreis zu finden und mit Nukite (Speerhand)
am Bauch zu berühren. Bei dieser Übung wurde viel gelacht. Da einige ziemlich
verpeilt aussahen und teilweise auch den Kreis statt den Gegner angriffen.
Zum Abschluß spielten wir noch ein Spiel, bei dem ein blinder Wächter seinen
Pratzen-Schatz gegen leise Diebe zu verteidigen hatte
Alle Übungen dieses Trainings
dienten der Schulung unserer Intuition und des Vertrauens in unsere Wahrnehmung,
auch wenn unsere Sinne begrenzt wurden. Die letzte Intuitionsübung war dann
die Auswahl eines Filmes: Drei DVDs wurden von Handtüchern verdeckt ins Dojo
gelegt und die Gruppe sollte sich intuitiv zu dem Film stellen, den sie sehen
wollte. Wir entschieden uns für "Die Tochter des Meisters", ein in
die Jahre gekommener Klassiker der Kampfkunstfilme, doch das erfuhren wir erst
später. Damit war das Training leider zu Ende.
Am Abend
sahen wir uns den "gewünschten" Film an. Doch wir diskutierten mehr
als den Film zu gucken, denn dieser war wegen seines Alters unfreiwillig komisch. Naja, wir hatten ihn uns ja "ausgesucht".
Nach dem Film begaben wir uns wieder zu einer Meditationseinheit, die ich mittlerweile
sehr beruhigend und entspannend fand.
In dieser Nacht konnte
ich sogar schlafen, da bei uns dieses Mal keiner geschnarcht hatte. Der folgende
Morgen begann wie der am Vortag. Wir starteten mit Yoga ,was sehr viel schwerer
ist, als es aussieht. Ich hatte sogar Muskelkater vom Yoga. Dann folgte wieder
eine Meditationseinheit, die zu meinem Bedauern schon die letzte des Lehrgangs
war.
Das morgendliche Training
fand fast nur draußen bei Vogelzwitschern im Nieselregen statt, der sehr erfrischend
war. Wir machten freie Kata und Freikampf und Frank hat mich an ein Makiwara-Brett
gestellt und mich Tsukis (Fauststöße) schlagen lassen. Da nur ich diese Übung
machte war ich etwas verwirrt. Als wir wieder drinnen waren durfte ich meinen
ersten Bruchtest machen: Ich zerschlug ein Brett! (Ich hatte an diesem Tag
Geburtstag.) Deshalb draußen auch die Extraübung - Frank wollte sehen, ob meine
Technik dazu schon ausreichte.

Geschafft! 40 Stunden
konzentriert am Stück trainiert, gearbeitet, meditiert usw. Das ist eine tolle
Erfahrung
aber auch schön, wenn
es wieder vorbei ist... :)
Nach
dem folgenden Frühstück mit Geburtstagsständchen ging es dann ans Aufräumen
und damit war der Lehrgang leider auch schon zuende. Ich muss sagen, es war
ein sehr anstrengendes aber lehrreiches Wochenende! |